Veröffentlicht in Olivia liest

[Olivia liest] „Der Kern des Holocaust“ von Stephan Lehnstedt

Hallo meine Lieben,

heute habe ich wieder ein seht interessantes Buch aus der Kategorie Olivia liest für euch:

Der Kern des Holocaust

Betzec, Sobibor, Treblinka und die Aktion Reinhardt

Von Stephan Lehnstaedt

 

Olivia

Taschenbuch zu 207 Seiten

C H Beck Verlag – 1 Auflage (16. Feber 2017)

Aktuelle Bewertung auf Amazon 4 Sterne

 

Inhaltsangabe

Am 15. März 1942 begann die „Aktion Reinhardt“. Die deutschen Besatzer deportierten die Juden aus den Ghettos im besetzten Polen und vergasten sie in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibór und Treblinka. Bis November 1943 ermordeten sie dabei annähernd zwei Millionen Menschen, verbrannten die Leichen und vergruben die Asche. Weniger als 150 Menschen überlebten.
Was bleibt von diesem zentralen Kapitel des Holocaust? In Deutschland und weltweit steht Auschwitz symbolisch für die Ermordung der Juden. Belzec, Sobibór und Treblinka treten demgegenüber deutlich zurück. Dabei stehen sie wie kaum etwas anderes für den Kern des Holocaust: die industrielle Tötung von Menschen. Stephan Lehnstaedt legt die erste Gesamtdarstellung der „Aktion Reinhardt“ in deutscher Sprache vor und erinnert eindrücklich an die Ermordung der polnischen Juden.

Quelle: Amazon

 

 

Wie kam ich zu dem Buch?

 

Ich bin ja eine geoutete Leserin von Lektüre, die sich um den zweiten Weltkrieg dreht. Für mich ist das Thema so unheimlich gewichtig, spannend, erschreckend aber auch lehrreich. Es zeigt mir die Facetten des Menschen in klarster Form und hat mich teilweise auch für Requia inspiriert.

Dementsprechend bin ich oft in meiner Buchhandlung und stehe vor dem Bereich Weltgeschichte / Geschichte und suche.

Zeitzeugen, Berichte, Erfahrungen. Das alles macht den zweiten Weltkrieg greifbarer als eine rein auf Fakten basierte Aufzählung.

 

„Die Welt ist im Begriff, mit dem Vergessen von mehr als einem Ereignis zu beginnen. Daher ist es höchste Zeit, dass sie Geschichten wie diese ein wenig besser kennenlernt.“

Seite 180

 

Schreibstil des Autors

 

Der Autor schreibt sehr sachlich und in meinen Augen etwas trocken. Das buch wird leider nicht von seinem professionellen Stil getragen, sondern von den Erfahrungsberichten, die er „zum Glück“ immer wieder einbaut. Natürlich – es ist eine reine Fachlektüre und ich warte auch keinen Thriller, aber etwas mehr Charme, Charisma oder eigener Touch hätte nicht geschadet. So fielen mir zeitweise bei den Übergängen von den Kapiteln die Augen zu, was das Buch sehr mühsam zum Lesen machte.

 

 

Handlung

 

Das Buch beschreibt den Aufbau, die Umsetzung und die Vertuschung der Aktion Reinhardt. Diese Aktion diente der vollkommenen Judenvernichtung in Polen und kostete hunderttausenden Menschen das Leben.

Der Beginn ist sehr trocken gehalten, doch bei der Umsetzung bekommt man dann die Wahrheit ungeschminkt und ungeschönt vor Augen gehalten. Vor allem die Erlebnisberichte dieses Abschnittes machten das Lesen zu einer spannenden Erfahrung und verhinderten ein Weglegen des Buches.

 

„[…] Er sagte: „Oh, schade um die Kugel!“, nahm die Schaufel vom Mist und zeiteilte das Kind in Stücke. Das Kind gab bloß noch ein klägliches Quietschen von sich. Manchmal passierte es, dass über Nacht Mütter auf dem Platz Kinder zur Welt brachten. Die Kinder warf man gewöhnlich auf den Müll, entweder zerriss man sie an den Füßen in zwei Teile, oder man warf sie in die Luft, und beim Herunterfallen auf die Erde zerbrachen sie. Mit Kindern machten sie kein Gewese.“

Seite 78

 

Man sieht an dem Absatz, dass das Buch wirklich nichts schönredet, sondern den Lesenden deutlich macht: Damals gab es keine Gnade. Es gab kein Schönreden, kein Verherrlichen. Für Juden (in Polen) gab es nur die Gaskammern. Den Abschnitt zum Sterben in den Gaskammern erspare ich euch lieber …

 

 

Was ich gut fand …

 

  • Die Erfahrungsberichte von Zeitzeugen und Überlebende
  • Den Mut, dieses brisante Thema endlich aufzurollen (es ist eines der ersten Fachbücher, dass sich damit befasst)
  • Die Informationen, die man in Hülle und Fülle finden kann, allerdings filtern muss, damit es den Rahmen nicht sprengt.
  • Die „Kürze“ des Werkes. Der Autor beschreibt nicht mehr, als nötig, hat aber auch nicht zu wenig gesagt.

 

 

Warum ich es empfehle …

 

Dieses Buch lege ich jedem nahe, der den zweiten Weltkrieg und das Leid der Juden nicht vergessen möchte. Das Unglück, dass diesen armen Menschen zu jener Zeit widerfuhr, darf auf keinen Fall erneut eintreten. Und um das zu verhindern, müssen wir das Vergessen aufhalten.

Wir müssen aktiv daran arbeiten, dass auch unsere Kinder noch ein lähmendes Entsetzen empfinden, wenn das Wort „Krieg“ ausgesprochen wird.

Der Autor schaffte es, meine Klasse mit nur drei Abschnitten von Zeitzeugen sprachlos werden zu lassen. Ich sah in geschockte Gesichter, Unglaube, Fassungslosigkeit. Und sie stellten die Frage: „Wie kann das Geschehen?“

Eine berechtigte Frage – eine gute Frage.

Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort habe. Aber immerhin wirft sie das Buch wieder in den Raum!

 

 

Fazit

 

Ich bin froh, dass ich dieses Buch um € 14,95 gekauft habe. Es ist klein, es ist dünn und das Buchcover ist kein Highlight. Aber der Inhalt ist es. Es ist direkt, herausfordernd, provozieren und schockierend.

Es ist so geschrieben, dass es den Lesenden aufrüttelt und kann in meinen Augen auch als Einstieg in die Thematik genutzt werden. Immerhin stellt man sich am Ende viele Fragen, die man in anderen Büchern beantwortet finden kann.

 

Klare Leseempfehlung für alle, die düstere Themen mögen und der Realität gerne ins Gesicht schauen!

 

Eure

Olivia

 

 

 

 

 

 

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Autor:

Absolute Buchverrückte und unheilbarer Potterhead 😊

Ein Kommentar zu „[Olivia liest] „Der Kern des Holocaust“ von Stephan Lehnstedt

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