Veröffentlicht in Writing Friday

[#Writing Friday] Alberto´s Geschichte

Meine Lieben,

ich habe beschlossen, mich an einer neuen Aktion zu beteiligen, da ich wieder Lust habe, regelmäßig Beiträge zu einem Thema zu erstellen. Und bei der lieben Elizzy von readbooksandfallinlove habe ich eine wirklich geniale und vor allem kreative Aktion gefunden, an der ich mich versuchen werde.

Kurz zur Erklärung: Jeden Freitag wählt man aus einem von Elizzy vorgegebenen Thema und veröffentlicht seinen kreativen Beitrag unter dem Hashtag #WritingFriday. Die genauen Regeln, die anderen Teilnehmer und die Monatsaufgaben für Februar, an denen ich mich versuchen werde,  findet ihr >>hier<<.

Das erste Thema, das ich gewählt habe lautet: Ein vernachlässigtes Cello erzählt.

Da ich von Musikintrumenten eigentlich überhaupt keine Ahnung habe, war das schonmal die erste Herausforderung. Lest selbst, wie ich diese gemeistert habe:


 

Ciao il mio nome è Alberto und meine italienisch isse etwas eingerostet, denn meine Land habe ich bereits als junger Fichtenbaum verlassen, aus dem ich stolz entstanden bin. Und ja, eigentlich habe ich auch keinen italienischen Akzent, aber ich wollte meine Geschichte etwas authentischer gestalten. Meine Geschichte endet, wo sie begann, so traurig es auch ist: in einem kleinen Musikladen in München. Eines Tages betrat die kleine Francesca mit ihrem Vater ebendieses Geschäft. Schon als ich sie das erste Mal entdeckt habe, war ich fasziniert von ihr, ich spürte sofort diese Vibration, die uns verband und wollte unbedingt, dass sie mich als ihr neues Musikinstrument auserwählt. Ich gab mein Bestes, immerhin bin ich gebürtiger Italiener und Stolz liegt mir im Blut. Ich ließ meinen Korpus glänzen, meine Saiten verführerisch glitzern und meinen Bogen erstrahlen. Und es wirkte. Ich sah das bezauberndste Lächeln in diesem kleinen Gesicht, das ich jemals gesehen hatte, als Francesca auf mich zukam und mir meine Töne entlocken wollte. Sie spürte unsere Verbindung wohl auch sofort, denn wie verzaubert griff sie nach meinem Bogen und kitzelte die zarteste und berührendste Melodie aus meinen leicht eingerosteten Saiten, die ich jemals von mir gegeben hatte. Alle waren ganz erstarrt und lauschten unserem Spiel, sie sprachen von Wunderkind und dem perfekten Instrument. Es war der schönste Tag in meinem bisherigen Leben. Wir übten jeden Tag miteinander und bekamen gar nicht genug voneinander. Ein jeder war von unserem Zusammenspiel begeistert und schon bald überbrachte mir Francesca eine Nachricht, die mich frohlocken ließ. Wir sollten tatsächlich bei den großen Münchner Philharmonikern vorspielen, da diese von unserem Talent gehört hatten. Endlich war es so weit, meine große Stunde war gekommen, die ganze Welt würde von den betörenden Tönen, die ich von mir geben werde, ganz hingerissen sein und vor Verzückung in Tränen ausbrechen. Ich sah es schon vor mir: Ich, Alberto, das stolze Cello, das seiner Gattung alle Ehre machen wird. Groß, glänzend und absolut umwerfend werde ich meine Symphonien in die weiten Hallen der Musikbegeisterten tragen. Francesca und ich übten jeden Tag wie Besessene, zwischendurch bekam ich auch eine neue Saite, weil ich doch auch etwas altersschwach werde, aber brillieren möchte. Der große Tag kam immer näher und ich wurde immer aufgeregter, ich wusste tief in meinem Inneren, dass wir meinem Traum ganz nah sind und es schaffen werden, die anderen Musiker und vor allem den Orchesterleiter von uns zu begeistern. Doch leider war es nur mein Traum, wie ich schmerzhaft feststellen musste. Ich hatte schon länger den Verdacht, wollte es aber nicht wahrhaben und dachte, wir wären perfekt genug. Wir würden eine Einheit ergeben. Doch die Wahrheit sah anders aus. Francesca übte immer weniger auf mir, war es am Anfang noch mehrere Stunden, stellte sie mich jetzt bereits nach höchstens einer Stunde wieder in das Eck ihres Zimmers. Am Abend vor dem großen Vorspiel kniete sie sich vor mich uns brachte unter Tränen meine Welt zum Einsturz. Sie erzählte mir kleinlaut, dass sie Donnerblitz kennengelernt habe und die Zeit mit ihm verbringen möchte. Ich verstehe erst nicht, was sie mir sagen will als sie von Striegeln und Satteln und Longieren anfing zu schwärmen, aber mir wurde bestürzt bewusst, dass ich nicht daran teilnehmen werde. Es wurde sogar noch schlimmer als sie mein altes staubiges Zuhause vom Dachboden holte, meinen muffigen Koffer, den ich nie mehr wiedersehen wollte. Francesca polierte mich ein letztes Mal, wünschte mir eine gute Zeit und viel Glück bei der Suche nach einem neuen Besitzer. Für mich brach eine Welt zusammen, als am nächsten Morgen mein Koffer geöffnet wurde und ich mich wieder in diesem kleinen Musikladen befand. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass dies mein Ende bedeutet. Wer will schon ein vielbespieltes Instrument, das wohl nie mehr in seinem Leben eine fröhliche Musik von sich geben kann, nachdem sein großer Lebenstraum kurz vor dem Ziel einfach so zerstört wurde. Sein Herz von einem kleinen Mädchen gebrochen wurde. Ich stehe immer noch in diesem Laden, mittlerweile auch nicht mehr stolz im Schaufenster sondern im hinteren Bereich, weil mir der alte Besitzer erklärt hat, dass Musikinstrumente nicht mehr so sehr gefragt seien und schon gar keine so großen wie ich es bin. Sechs Monate stehe ich bereits hier. Meine Saiten glänzen schon lange nicht mehr, mein Bogen hat mich verlassen, er lag seufzend vor mir als ein unbedarfter Kunde ihn zertrampelt hatte. Ich war noch nie so deprimiert wie heute und wünsche mir nichts sehnlicher als ein letztes Mal eine Melodie von mir geben zu dürfen. Ob mir dieser letzte Wunsch noch einmal erfüllt wird? Ich weiß es nicht und das macht mich sehr traurig, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, denn das ist alles, was mir noch geblieben ist. Falls ihr nach München kommen solltet und einen kleinen Musikladen findet, der etwas abseits des Marienplatzes liegt, dann tretet bitte ein und wenn ihr ein leises flehendes Jammern aus dem hinteren Bereich hört, bittet doch den Ladenbesitzer, dass ihr über meine Saiten streichen dürft …das ist alles, was ich mir wünsche.


 

Mein erster Beitrag ist geschafft und ich hatte rieisgen Spaß Alberto´s Geschichte zu erzählen. Ich hoffe, ihr hattet auch Freude daran, sie zu lesen.

Natürlich würde ich mich über eure Meinungen freuen.

Bis zum nächsten Mal beim #WritingFriday.

 

Eure Kerstin.

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Autor:

Absolute Buchverrückte und unheilbarer Potterhead 😊

16 Kommentare zu „[#Writing Friday] Alberto´s Geschichte

  1. Hallo Kerstin,
    das Thema war irgendwie inspirierend, oder? Ich hab nun schon so viele verschiedene Geschichten über das Cello gelesen und find es wunderbar, wie kreativ alles umgesetzt wurde.
    Bei dir gefiel mir vor allem der Anfang gleich, dass du dem Cello so ein bisschen Witz und eine Nationalität mitgegeben hast, und dann auch noch einen Namen.
    Nicht so gut finde ich, dass Francesca so schnell die Begeisterung am Cellospielen verlor, vor allem, weil sie wohl Talent hatte. Von 0 auf 100 auf 0, wie krass.
    Das war auch mein Problem bei dem Text, der Grund, warum das Cello vernachlässigt wird. Ich entschied mich dann dafür, diesen Grund nicht anzugeben. Er liegt beim Cellist, ich wollte komplett aus der Sicht vom Cello erzählen.
    Du hast beide Perspektiven eingebracht, so merkt man, dass bei dir Alberto und Francesca wirklich eine Einheit gebildet haben.
    Auch den Schluß find ich sehr stimmungsvoll!
    LG
    Daniela
    Hier mein Cello-Beitrag

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Daniela,

      das freut mich, dass dir die Geschichte im Grunde gefallen hat. Ja dieses „Begeisterungsbarometer“ war gewollt, damit wollte ich kurz andeuten, wie schnell Kinder/Jugendliche doch auch ihr Interesse an geliebten Dingen verlieren können, wenn sie einen Ersatz finden.
      Da geh ich jetzt doch direkt mal deine Cello Geschichte lesen.

      Liebe Grüße, Kerstin

      Gefällt mir

  2. Wow, das ist eine wirklich wundervolle Geschichte, die mir sehr gut gefällt! Ich habe jetzt totales Mitleid mit Alberto. Und auch super, dass du die Geschichte so gut hinbekommen hast, auch ohne dass du ein Instrument spielst. Respekt!
    LG Malina
    PS: Wenn du nicht bald widerspricht, wirst du gnadenlos für den Sunshine Blogger Award getaggt. . Wäre lieb, wenn du mir sagen könntest ob das in Ordnung geht.

    Gefällt 1 Person

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